D. Holland-Moritz
Eine Sache des Prospektors
Randnotiz

Es war jenes hohe Fiepen, das man manchmal im Innenohr wahrnimmt, der Ton des Standbys in Ruhepositionen, die Resonanzen beständig vibrierender, klingender Nervenbahnen, die ihn pathetisch daran erinnerten, daß auch der Mensch nur Mieter ist in dieser Welt. Wir sitzen doch alle in einem Boot, dachte er, Würmer, Menschen, Cyborg und sortierte seine Gliedmaßen in einen knorrigen Karren mit zwei Rädern: Tief unter ihm fand er grasende Yaks in den Tälern von Tibet, Mandalas aus buntem Sand, die vom Winde verweht wurden. Die Fraktale sind das Paisley, schloß er, und begab sich, derart eskortiert, zurück zu seinem Schreibtisch...

(Auszug aus Das PaisleyX. Generierungen, in: perspektive. hefte für zeitgenössische literatur 40/2001)
"Die Welt ist ja konkret. Da muß man dann aufpassen, daß man nicht erstarrt in all dieser Konkretheit, dem Beton." notierte R.D. Brinkmann in seinen 1999 erschie-ne-nen Briefen an Hartmut... Gehen wir also mit einer enzyklopädischen Einstellung, repetitorisch und polygam gegenüber den Dingen, an eine Welt heran, deren tätige Natur, drängend und aufbrechend, in ihrem Durcheinanderwimmeln auf einem Objektträger sichtbar gemacht werden kann. U.a. anhand von Meditationen vor Kaffeetassen, die auch den Heraustritt "aus der bourgeoisen in die prospektive Zone des Geistes"(Max Bense, Vorwort zur Taschenkosmogonie von Raymond Queneau, Wiesbaden 1963, S. 7) bedeutet: Imitierend, beschwörend, realisierend... Über seine Digitalisierung hinaus. Cybermystik. Gotham City ist überall. Das Unvertrautmachen einer vertrauten Welt gehört zum Programm, und für das Danach könnte eine völlig andere Syntax erforderlich sein: Na Jungs, wie läuft der Laden?

"Für D. Holland-Moritz ist es die Performance, der Klang gewordene Text zwischen Gitarrenfeedback und Computerrhythmen, der die geschriebene Sprache herauskatapultiert aus dem Schriftstellernebel." schreibt Harald Fricke in die tageszeitung vom 29.05.2001.
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